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| Globale Eliten, lokale Autoritäten: Bildung und Wissenschaft unter dem Regime von PISA, McKinsey & Co. (edition suhrkamp)
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die Band auf der Titanic
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Alle meine Rezensionen ansehen Rezension bezieht sich auf: Globale Eliten, lokale Autoritäten: Bildung und Wissenschaft unter dem Regime von PISA, McKinsey & Co. (edition suhrkamp) (Taschenbuch) Am Anfang steht eine ganz einfache Frage, die sich wahrscheinlich bisher zu wenige gestellt haben: meint Bildung Luther, Goethe, Kant oder die Vermittlung arbeitsmarktkonformer Grundkompetenzen? Pisa untersucht letzteres, Eltern verlangen ersteres und die Schulen scheitern schließlich daran, beiden Ansprüchen gerecht werden zu wollen. Münchs Buch ist weder vordergründige Polemik noch wütende Abrechnung eines alten Professors, sondern eine Studie mit soziologischem Anspruch. In entsprechend nüchternem Tonfall präsentiert er seine seine haarsträubenden Erkenntnisse. Das Ganze "New Public Management" mit dem Behörden und Institutionen nach dem Vorbild von Unternehmen umgebaut werden sollen, ist ein Kaiser ohne Kleider. Die zentrale Idee, alle dienstlichen und bürokratischen Beziehungen in Anbieter-Kunden-Beziehungen umdeuten zu wollen, mag in der Theorie verführerisch klingen, ist in der Praxis aber völlig untauglich. Eine offensichtliche und leicht nachprüfbare Wirkung dieses Paradigmas: auch mäßige Studenten bekommen an teuren Hochschulen bessere Zensuren: schlechte könnten sie schließlich auch "billiger" haben. Der Status des Studenten als "Kunde" führt hingegen nicht dazu, dass er bessere Bildungsangebote bekommt. Er ist nämlich nur der Laufkunde, dessen Geld man gern mitnimmt, während eingeworbene Drittmittel, prestigeträchtige Aufträge aus der Wirtschaft und Gastvorlesungen von Nobelpreisträgern die wirklich großen Deals darstellen. Ein bodenständiger Professor, der einem Dutzend abgehängten Studenten hilft, doch noch ihren Abschluß zu schaffen, wäre in diesem System einfach nur ein armer Irrer. Wer hingegen Drittmittel für ein Dutzend Assistenten einwirbt, ist ein gemachter Mann, obwohl so ein Deal nichts über seine akademische Güte aussagt und obwohl solche akademischen Saisonkräfte im deutschen Hochschulsystem gar keine Chance auf eine dauerhafte Beschäftigung haben. Erschreckend an Münchs Analysen ist die lapidare Schlußfolgerung, dass diese "McKinseyisierung" der Bildung unaufhaltsam voranschreiten wird, weil keine überzeugende soziale Gegenbewegung in Sicht ist. Es wird noch viel Geld in "Exzellenzinitiativen" gesteckt werden und wer sich wundert, dass dabei keine Exzellenz herauskommt, dem werden die allwissenden Berater stets entgegenhalten, dass immer noch "zuviel Staat" und Beamtenmentalität in den Institutionen stecke. So wird man also weiter Wasser in die Titanic pumpen und sich wundern, dass sie davon nicht wieder flott wird.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 16. November 2010 | | |
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