Invasion der Heuschrecken. Intrigen - Machtkämpfe - Marktmanipulation. Wie Hedge Fonds die Deutschland AG attackieren (Gebundene Ausgabe)
von Werner G. Seifert, Hans-Joachim Voth


 
Rezensionen:
Der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Börse AG Werner Seifert hat jetzt seine Lesart zur Heuschreckendebatte veröffentlicht. Was mag den Ex-CEO bewogen haben, mit Müntefering gemeinsame Sache zu machen? Das Schielen auf den Beifall der Kapitalismuskritiker links von Müntefering kaum. Eher das Buhlen um die Aufmerksamkeit der Fachpresse, die mit einem Tagebuch über das Scheitern eines CEO kaum zu locken ist, wohl aber mit einer kalkulierten Provokation wie dem Heuschrecken-Vergleich.

Gestützt auf seine Tagebuchaufzeichnungen aus der Zeit der Übernahmeschlacht ist Seifert und seinem Co-Autor ein spannendes Buch gelungen, das das Zeug zum Bestseller hat: ein Wirtschaftskrimi, der minutiös den Angriff der Hedge-Fonds rekonstruiert und schier nebenbei viel lehrreiches Börsenwissen vermittelt. Es ist eine spannende Geschichte, wie sich die Hedge-Fonds zunächst in die Deutsche Börse einkauften, dann die geplante Übernahme der traditionsreichen Londoner Börse vereitelten, um schließlich aus einer Minderheitenposition heraus den Abgang von CEO Seifert und Aufsichtsratschef Breuer zu erzwingen.

Für Seifert sind die Rollen eindeutig: Er ist das Opfer. Von Selbstkritik keine Spur. "Ich bedauere keine meiner Entscheidungen. Hätte ich die Wahl, würde ich heute wieder genauso handeln", schreibt er. An seinem Widersacher, dem Fondsmanager Chris Hohn, lässt er hingegen kein gutes Haar: Er zeichnet ihn als einen ungehobelten Burschen, unsympathisch, launisch, aggressiv und "unberechenbar wie eine unbefestigte Kanone auf einem Schiffsdeck".

Am Ende erliegt Seifert der Wucht seiner Heuschrecken-Metapher. Das Schreckensgemälde, das er zeichnet, gerät zu grob, lässt inhaltliche Differenzierung vermissen. Die aber wäre dringend geboten, denn Hedge-Fonds ist nicht gleich Hedge-Fonds und internationales Finanzkapital längst in die Bresche gesprungen, wo Banken Unternehmen Kredite verweigern. Das Bild von den bösen Fondsmanagern ist eine Karikatur. Seifert indes will man die Läuterung zum Kapitalismuskritiker nicht recht abnehmen. Zu lange war er selbst Insider des Finanzkapitalismus und hat vehement für die Liberalisierung der Finanzmärkte gekämpft, um heute die Kritikerrolle glaubhaft spielen zu können.--Winfried Kretschmer

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