|
| Michael. Ein Jugendbuch für die Infantilgesellschaft. (Broschiert) von Elfriede Jelinek
|
 | |
"na liebe jungen und mädel!"
• • • • • (bewertet mit 4 von 5 Punkten)
Elfriede Jelinek erzählt in ihrem zweiten Buch "Michael" aus dem Jahr 1972 aus dem Leben von verschiedensten Personen, die nur lose zusammenhängen. Es geht um Michael, Juniorchef beim Schwiegervater, dessen Mutter Ida Rogalski, seine Frau Patrizia, deren Vater und Fabrikdirektior Herr Koester, sowie dessen Lehrlinge Gerda und Ingrid und deren Mütter. Dabei werden verschiedene Episoden und Geschichte kaleidoskopisch aneinander gereiht. Die einzelnen Mosaiksteine sind häufig brillant, aber der Gesamttext hinterlässt einen etwas heterogenen Eindruck. Der Text versprüht mit seiner ironisch-distanzierten Sprache sehr viel Witz. Der naive und oberflächliche Stil mit einfachen und kurzen Sätzen und kurzen Kapiteln imitiert Trivialliteratur wie Jugendbücher, ohne allerdings selbst trivial zu sein. Der Sprachwitz zeigt sich auch darin, dass die Autorin am Anfang jeden Kapitels die Leserinnen und Leser direkt anspricht. Jedenfalls fehlt der ideologisch verbissene Tonfall, der spätere Jelinek-Bücher prägt. Auch kommen Gewaltexzesse, welche die Oberfläche aufbrechen, nur sehr dosiert vor. Der Untertitel "Ein Jugendbuch für die Infantilgesellschaft" des Buches zeigt, dass es sich um eine ideologische Auseinandersetzung mit der ungeliebten bürgerlichen Gesellschaft handelt. Auch die gebrauchte Sprache ist eine Auflehnung gegen bürgerliche Konventionen: Kleinschreibung, keine Kommas, keine Trennungszeichen. Inhaltlich geht es um die Wahrnehmung von Realitäten: Die Wirklichkeit der Figuren (ihr ödes Leben als Kleinbürger) wird ihren Wunschvorstellungen (gesellschaftlicher Aufstieg, Liebe des Chefs) gegenüber gestellt. Das ganze wird schliesslich noch an der Wirklichkeit aus dem Fernsehen ("Wünsch dir was" mit Dietmar Schönherr), einer vollkommenen Scheinwelt, gespiegelt. Einzelne Episoden werden übrigens auch mit "wirklichkeit" überschrieben. Fernsehwirklichkeit und Wunschvorstellungen haben für die meisten gar nichts mit ihrer Wirklichkeit zu tun. Bürgerliche Mythen (Familie, gesellschaftliche Rolle von Mann und Frau, wahre Liebe, Arbeit macht glücklich, gesellschaftlicher Aufstieg durch Arbeit, Materialismus) entlarven sich als Lügen. Der Wunsch nach einem besseren Leben bleibt Wunsch. Jelinek hält dies lakonisch so fest: " wie arm wäre unser leben ohne die schillernden träume! allerdings ist unser leben auch mit schillernden träumen arm. ein weiser mann hat einmal gesagt: träume sind schäume!"
Eine Rezension von zueribueb Zürich
vom 3. August 2003
| | | Kundenrezensionen: | | |
| | | Zur Übersicht ... |
 |  |  |  |  |  | | |
 | |
Angebote zu Michael , Jugendbuch , Infantilgesellschaft ab 1 Euro!
|
| Siehe auch folgende Artikel: |
|
|  | | Die Liebhaberinnen. von Elfriede Jelinek wir sind lockvögel, baby! von Elfriede Jelinek Die Ausgesperrten. von Elfriede Jelinek Lust. von Elfriede Jelinek
|
| | Mehr zu 20. Jahrhundert, Jelinek, Elfriede
|
| | Home ..., Angebote ansehen ..., Begleitseite ... |
|
|
| | Herausgeber dieser Seite ist DomainLoc.com GmbH - Partner von Amazon.de
| | Copyright © DomainLoc.com GmbH (Impressum) |
| |