Der Palast von Avignon. (Broschiert)
von Thomas R. P. Mielke


 
Weder historisch phantastisch, noch phantastisch historisch
• • • • •   (bewertet mit 2 von 5 Punkten)

"Die vorliegende Geschichte ist kein Geschichtsbuch, sondern ein erfundener Roman. Viele Personen, Daten und Ereignisse sind korrekt, und auch vor Ort recherchiert, andere sind R. P., das heißt reine Phantasie."
(aus dem Epilog)

Das relative Paradoxon von Historizität und Fiktion des letzten Teils der Avignon-(Smaragdus) Trilogie bestätigt sich nicht nur im Epilog, sondern zieht sich durch die gesamte Handlung, die im Jahre 1342 mit der Wahl Kardinals Pierre Roger zum Papst Clemens VI. einsetzt. Obwohl er kein Geschichtsbuch sein soll, zeichnet sich gerade "Der Palast von Avignon", auch gegenüber seinen Vorgängerbänden "Die Brücke von Avignon" (2004) und "Die Rose von Avignon" (2005), durch eine gesteigerte Überfrachtung, teils falscher oder unvollständiger historischer Details aus. Positiv zu bewerten sind ein "Dramatis Personae", das die historisch authentischen Personen gegenüber den erdichteten Akteuren besonders kennzeichnet, sowie jeweils eine historische Karte Avignons und ein Grundriss des Papstpalastes.....

......ein recht peinlicher Schnitzer im Introtext sorgt bereits auf Seite 2 für Irritationen, denn er verlegt die Romanhandlung um 106 Jahre später ins Jahr 1448.

Der Roman wird jenem Anspruch, den er durch die Vielfalt seiner "auch vor Ort recherchierten Fakten" postuliert, nicht immer gerecht. Denn auch bei einer erfundenen Geschichte, der man wohlweislich nicht das Attribut historischer Roman verliehen hat, lassen sich übersehende geschichtliche Inkorrektheiten nicht mit einem Hinweis auf die literarische Fantasie erklären. Hier einige reizende Paradebeispiele für den sorglosen Umgang mit historischen Fakten: Der rothaarige Monsignore Mel Comyn wird als Vetter des schottischen Thronprätendenten John Comyn vorgestellt, der vom späteren schottischen König Robert I. The Bruce in Dumfries eigenhändig ermordet worden sein soll. Auf die tatsächlichen Ereignisse, die zum Tode "Red Comyns", Lord of Badenoch am 10.02.1306 in der Franziskanerkirche Greyfriars geführt hatten, sowie die Rolle Sir Rogers de Kirkpatrick ("I mak sikkar") geht der Autor jedoch ebenso wenig ein, wie auf die Bedeutung Schottlands für das Vermächtnis der Templer, obwohl jenes gerade Gegenstand von "Der Palast von Avignon" ist. Die wiederholte Titulierung des Kronprinzen Johann (der spätere König Jean II. de France, genannt "le Bon") als Graf der Normandie (S. 41, 380) ist unrichtig, denn seit Richard I. "Sans Peur" (943 - 996) wurden die Nachfolger des einstigen Wikingerjarls Rolo und Grafen von Rouen als Herzöge (!) bezeichnet. Recht perplex ist die Schilderung, dass es viele Jahre her sei, als der 68jährige Waffenschmied Antonio Brazzi "mit dem deutschen Kaiser Friedrich nach Rom gezogen" wäre (S. 199). Um welchen Monarchen es sich dabei gehandelt hat, bleibt offen. Friedrich II. war bereits 92 Jahre zuvor, Anno 1250, verstorben, der Tod seines Großvaters Friedrich I. Barbarossa, der mehrmals nach Rom gezogen war, lag sogar 152 Jahre zurück. Auch der Habsburger Friedrich III. (der Schöne) konnte es nicht gewesen sein, denn er war lediglich Herzog von Österreich und zeitweilig Gegenkönig von Kaiser Ludwig IV.

Auch der, laut Umschlagtext "Abschluss der erfolgreichen Avignon-Trilogie" ist geprägt von einer konstruierten, wenig überzeugenden Handlung in einem fragwürdigen Szenario. Gelegentliche Zahlenmystik und Allegorien sind gute Ansätze, die sich jedoch recht schnell und ohne weitere Spannung verlaufen. Auch Mielkes Version des Templergeheimnisses macht den Roman nicht phantastisch in der Bedeutung von großartig, sondern eher zu einer unglaublichen Phantasmagorie, die den Lesern nicht empfohlen werden kann und mit 2 Amazonsternen zu bewerten ist.
Eine Rezension von timediver® Offenbach am Main, Europe
vom 15. April 2006
Kundenrezensionen:
2. Ein gelungener Abschluß der Avignon-Trilogie
1. Weder historisch phantastisch, noch phantastisch historisch (die aktuell angezeigte Rezension)
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Siehe auch folgende Artikel:
Die Rose von Avignon. von Thomas R. P. Mielke
Die Brücke von Avignon. von Thomas R. P. Mielke
Gold für den Kaiser. Ein Fugger-Roman von Thomas R. P. Mielke
Karl Martell. Der erste Karolinger. von Thomas R. P. Mielke
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