Aus der Waldorf-Schule geplaudert. Warum die Steiner-Pädagogik keine Alternative ist (Broschiert)
von Sybille-Christin Jacob, Detlef Drewes


 
Warum Polemik keine Alternative ist...
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Nein, auch Waldorfschulen können nicht frei von Kritik sein. Kritik wiederum sollte jedoch konstruktiv sein und nicht als platter Ausdruck tief sitzenden Frustes daherkommen, wie es bei diesem Buch der Fall ist. Das Problem derartig unqualifizierter Beschimpfungsorgien ist schlicht, dass das, was an der Umsetzung der Idee der Waldorfpädagogik wirklich zu kritisieren ist, völlig ins Hintertreffen gerät. Und genau das liegt der gerne zitierte Hase im Pfeffer: es ist nicht die Waldorfpädagogik an sich, die Probleme bereitet, es ist einfach die Art, in der etliche Lehrer und sonstige im Umfeld dieser Schulen aufkreuzende Gestalten für sich in Anspruch nehmen, Steinersche Weisheit mit Löffeln gefuttert zu haben.
Frau Jacob scheint nun, zumindest vermittelt ihr Pamphlet diesen Eindruck, bei ihrem Engagement zur Gründung einer Waldorfschule, über einige Vertreter genau dieser ?Waldorfianer? gestolpert zu sein. Das allein gibt ihr allerdings noch lange nicht das Recht, eine ganze Schulform zu diskreditieren. Das ganze erscheint schlicht als plumper Rachefeldzug aus der Abteilung ?ich kenne jemanden von der Presse, nun zittert vor dem, was wir veröffentlichen werden?. Infantiler geht?s nimmer. Praktischerweise fand sich dann ja auch noch ein Lokalredakteur, der unter konsequenter Außerachtlassung journalistischer Grundregeln und bar jeglicher Sachkenntnis als Co-Autor agierte; sich das erforderliche Wissen anzueignen, scheint ja für beide Teile des Autoren-Duos zu schwierig gewesen zu sein. Oder man hielt?s schlicht nicht für notwendig. Womit beide genau dieselbe Überheblichkeit und Arroganz beweisen, wie die oben erwähnten Negativbeispiele für Waldorf-Enthusiasten.
Ziemlich nachdenklich stimmen mich da auch die aus dieser Ecke häufig zu vernehmenden Totschlagargumente der Art, die Kritik an der Kritik von vorneherein abzulehnen, indem man die Kritiker der Jacobs, Grandts & Co. gleich als verblendete Sektierer darstellt, die in ihrem Wahn die hehren Motive völlig verkennen und es unbegreiflicherweise wagen, derlei höchst objektive Berichte abzulehnen. Eine eigenartige Denkweise, das Recht der Kritik für sich selber zu reklamieren, es anderen aber abzusprechen ? apropos: ist dies nicht einer der Punkte, die Waldorfschulen vorgeworfen werden? Nebenbei sei zudem klargestellt: Die Anthroposophie ist keine Glaubensrichtung und Waldorschulen haben daher auch nicht das geringste mit Sekten zu tun; es empfiehlt sich hier für's erste die Verwendung eines Fremdwörterbuches. Auch (und mitunter gerade) Journalisten haben derlei Hilfsmittel bisweilen bitter nötig.
Wie sehr man bei Waldorfschulen die Idee, also die Pädagogik, und deren Ausführung trennen muß, mag ein Beispiel verdeutlichen: Rudolf Steiner selbst droht dereinst damit, die Anthroposophische Gesellschaft zu verlassen. Grund hierfür war, stark vereinfacht ausgedrückt, ebenjener Schlag von selbsternannten Erleuchteten, die sich dazu veranlasst sahen, Steiner seine eigenen Ideen zu erklären.
Es sei noch einmal betont: es gibt sicherlich vieles an der Art und Weise, wie die Waldorfpädagogik in die Tat umgesetzt wird, zu kritisieren. Keinesfalls nützlich sind dabei aber Auswüchse persönlichen Frusts und Gekränktheit, die sich in reiner Polemik und dumpfer Demagogie Bahn brechen. Mit Verlaub: Wenn jemand bei der Gründung eines Skiclubs mit einigen selbst ernannten Gralshütern des Skisports aneinander gerät, wird er ja wohl als Reaktion kaum ein Buch schreiben, in dem er den besagten Sport verdammt. Wie schrieb jemand auf dieser Seite doch so schön: ?Wer in diese Richtung wirklich sucht, der findet auch!? Stimmt schon. Aber wenn ich bei staatlichen Schulen, konfessionellen Schulen oder bei welcher Schulform nun auch immer, lange genug nach Negativem suche, finde ich es auch. Und dabei muß ich gar nicht so lange suchen: gerade ist zu lesen, dass sich nun ein UN-Sonderbeauftragter mit dem PISA-Problem befassen soll?
Im übrigen lassen sich problemlos reihenweise Lehrer anderer Schulen - gleich welcher Prägung - finden, die Elemente der Waldorfpädagogik mit großem Erfolg in ganzen Unterrichtseinheiten übernehmen.
Eine Rezension von Wolf Distel
vom 6. Februar 2006
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Siehe auch folgende Artikel:
Die Waldorfpädagogik. Eine Einführung in die Pädagogik Rudolf Steiners von Johannes Kiersch
Erziehung zur Freiheit. Die Pädagogik Rudolf Steiners. von Frans Carlgren
Montessori oder Waldorf? Ein Orientierungsbuch für Eltern und Pädagogen von Marielle Seitz
Waldorf Connection. Rudolf Steiner und die Anthroposophen von Guido Grandt
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